Emir: neu in Deutschland und hochbegabt

Ohne die Fortbildung bei den Kleinen Füchsen wäre ich mit Emir* irgendwann aufgeschmissen gewesen. Der Junge hat Migrationshintergrund und besuchte unsere Einrichtung erst seit acht Monaten. Sein Verhalten war sehr auffällig. Unterforderung? Darauf wäre ich ohne mein Fachwissen aus der Fortbildung nie gekommen. Gerade bei Kindern, die aus anderen Ländern nach Deutschland flüchten, neigen wir Erzieher dazu, ihre Verhaltensauffälligkeiten mit schweren traumatischen Ereignissen zu erklären. Unser erstes Ziel ist dann, das Kind in seiner sozial-emotionalen Bindung zu stärken und es natürlich in seiner Sprachentwicklung zu unterstützen.

Dieser Fünfjährige jedoch hatte sich lange Zeit zurückgezogen, wollte nicht sprechen, lag auf dem Teppich und summte Lieder vor sich hin. Zugegeben: Ich glaubte zunächst, dieses Verhalten sei auf seine schweren Lebenserfahrungen zurück zu führen. Doch nach meinem Fortbildungstag über hochbegabte Kinder mit Migrationshintergrund konnte ich bei Emir ganz neue, wertvolle Eigenschaften beobachten. So fiel mir auf, dass er mit den Kindern in einer perfekten Aussprache sowie in vollen Sätzen sprach, doch sobald ein Erwachsener dazu kam, schwieg er. In unserer altersgemischten Gruppe gibt es noch einen anderen Fünfjährigen – viel lieber spielte Emir aber, wenn wir im Außengelände waren, mit den Vorschulkindern.

All diese Beobachtungen schilderte ich meinem Team, und gemeinsam entschieden wir, ihn zeitweise in die Vorschulgruppe zu schicken. Grundlage für diese Entscheidung war eine Analyse-Methode zur gezielten Beobachtung von Stärken und Schwächen, die ich bei den Kleinen Füchsen gelernt hatte. Emir bekam die Möglichkeit, im Gartenprojekt der älteren Kinder teilzunehmen und mit ihnen jeden Mittwoch einen Erlebnispark zu besuchen. Nach nur einigen Tagen konnten wir die ersten Veränderungen erkennen. Emir sprach uns mit einem freundlichen „Guten Morgen“ an und zeigte uns, in wie vielen Sprachen er zählen kann.  Im August wechselte Emir komplett in die Vorschulgruppe. Im Austausch mit seinen neuen Erzieherinnen erfuhren wir, wie er unter anderem seine starke Kommunikationsfähigkeit sowie seine Lernmotivation zeigt.

Emir hat mir gezeigt, wie sehr die Fortbildung zur „Begabungspädagogischen Fachkraft Stiftung Kleine Füchse“ meine Kolleginnen und mich bereichert hat. Mir ist jetzt noch klarer, wie wichtig es ist, jedes Kind individuell zu beobachten, ressourcenorientiert zu handeln und Potenziale zu erkennen statt immer nur auf die Schwächen zu schauen.

Nur Özdemir, Kita Ohlmannstraße, Kirn

*Name geändert